Grundlegende Informationen zum Kandidat-O-Mat der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB)

 

1. Informationen zum Kandidat-O-Mat

Der Kandidat-O-Mat (KOM) ist ein von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg entwickeltes Informationsangebot im Internet. Das digitale Tool wird seit 2018 bei OB-Wahlen im Land eingesetzt. Es umfasst einen Thesenkatalog mit politischen Positionen zu unterschiedlichen Themen, der auf die jeweilige Kommune zugeschnitten ist. In der Online-Anwendung können Interessierte ihre eigenen Positionen mit denen von Kandidatinnen und Kandidaten abgleichen. Im Ergebnis erfahren die Nutzerinnen und Nutzer, inwieweit sie mit den Positionen der Kandidierenden im KOM übereinstimmen. Das Online-Tool der LpB steht nicht in Verbindung mit dem Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung, der zu Bundestags- und Landtagswahlen sowie zur Europawahl angeboten wird.

 

2. Zielsetzung

Der Kandidat-O-Mat präsentiert in der Online-Anwendung einen Thesenkatalog, der zur Auseinandersetzung mit politischen Gestaltungsmöglichkeiten im unmittelbaren Lebensumfeld, in der Kommune, einlädt. Er ermöglicht Einblicke in die Ziele der Kandidierenden, regt zur Auseinandersetzung mit deren Positionen an, weckt Interesse an der Kommunalpolitik und fördert die politische Meinungsbildung. Der KOM eröffnet einen spielerischen Zugang zu politischen Themen. Er kann im privaten Umfeld, einzeln oder in Gruppen angewandt und mit Bildungsangeboten, z. B. für Schulklassen, flankiert werden.

 

3. Funktionsweise

Die Nutzerinnen und Nutzer des Kandidat-O-Mats können sich bei der Online-Anwendung des Tools zu den einzelnen Thesen positionieren mit

  • „Sie stimmen zu“,
  • „Sie stehen neutral dazu“ oder
  • „Sie stimmen nicht zu“. 

Thesen, die den Nutzerinnen und Nutzern besonders wichtig sind, können sie doppelt gewichten. Diese Entscheidung fließt in die Berechnung ein. Wird eine These übersprungen, fällt diese aus der Berechnung heraus. Nach der Beantwortung der Thesen erhalten die Nutzerinnen und Nutzer ihr individuelles Ergebnis. Es zeigt ihnen in einer Prozentzahl an, inwieweit sie mit den Positionen der einzelnen Bewerberinnen und Bewerber um das OB-Amt übereinstimmen. Dabei wird auch die relative Entfernung zur Position der Kandidierenden berücksichtigt, d. h. die Antwort „Sie stimmen zu“ liegt näher an „Sie stehen neutral dazu“ als an „Sie stimmen nicht zu“. Stimmen Sie einer These beispielsweise zu, so wird Ihnen eine größere Übereinstimmung mit Kandidierenden angezeigt, die der These „neutral“ gegenüberstehen, als mit Kandidierenden, die der These „nicht zustimmen“.

Durch einen Klick auf den Button „Antworten vergleichen“ erhält man die Möglichkeit, die eigene Meinung zu jeder einzelnen These mit derjenigen der Kandidatinnen und Kandidaten zu vergleichen. Bei jeder These erscheinen durch den Klick auf den Namen der Kandidierenden deren Stellungnahmen und Begründungen, sofern eine solche für die jeweilige These vorliegt. Ein Blick in diese detailliertere Form der Auswertung gibt ein genaueres Bild von den Kandidatinnen und Kandidaten.

 

4. Grenzen und Besonderheiten der Online-Anwendung

Eine Wahlempfehlung ist mit dem Kandidat-O-Mat nicht verbunden, da es bei der jeweiligen Wahl nicht allein um die im Kandidat-O-Mat vorhandenen Thesen bzw. Themen geht. Das Tool bildet lediglich eine Auswahl von Positionen der zur Wahl antretenden Personen ab. Der KOM kann einzelne Thesen enthalten, bei denen die Nutzerinnen und Nutzer keinesfalls mit einem einzelnen Bewerber oder einer einzelnen Bewerberin einer Meinung sind. Dies könnte für sie ein Ausschlusskriterium für ihr Wahlverhalten sein, selbst wenn sie mit diesem Kandidaten bzw. dieser Kandidatin den insgesamt höchsten Grad an Übereinstimmung aufweisen sollten. 

Digitale Angebote wie der Kandidat-O-Mat müssen ihrer Natur nach meist komplexe politische Sachthemen auf einen Satz oder zwei leicht verständliche Sätze reduzieren, auf die nur mit „ja“, „neutral“ oder „nein“ geantwortet werden kann. Damit ist es für solche Instrumente unmöglich, Themen in der Tiefe zu behandeln; sie sind deshalb unvollständig, unterkomplex und oft ungenau. Dies ist der Preis für die Verständlichkeit, die es Menschen ermöglichen soll, sich auch mit politischen Themen auseinanderzusetzen, mit denen sie sich ansonsten weniger oder nicht beschäftigen würden. Nach dem Stand der wissenschaftlichen Forschung wird dies von Online-Tools vor Wahlen in vergleichsweise hohem Maße erreicht.

 

5. Erstellung des Kandidat-O-Mats

Der Online-Anwendung Kandidat-O-Mat geht in der Regel ein mehrstufiger Erstellungsprozess voraus. In einem ersten Schritt erarbeitet ein Redaktionsworkshop etwa 70 bis 80 Thesen. Teilnehmende sind junge Menschen (Jung- und Erstwähler/-innen). Sie werden bei der Auseinandersetzung mit lokalpolitischen Fragestellungen begleitet und unterstützt von Mitarbeitenden der LpB und Vertreter/-innen der Medienpartner sowie ggf. von Wissenschaftlern/-innen von Hochschulen vor Ort.  

Der Thesenkatalog wird im zweiten Schritt allen Kandidatinnen und Kandidaten zur OB-Wahl zur Beantwortung zur Verfügung gestellt. Sie können ihre Positionierungen zudem mit kurzen Erläuterungen ergänzen (jeweils max. 300 Zeichen).  

Im dritten Schritt wird der Rücklauf der Kandidierenden einer statistischen Analyse unterzogen. Dabei werden vor allem diejenigen Thesen identifiziert und ausgewählt, durch die sich im Vergleich der Kandidierenden hinreichende Unterscheidungsmöglichkeiten ergeben. Zunächst wird analysiert, wie stark sich die einzelnen Antworten der Kandidierenden voneinander unterscheiden (Varianz im Antwortverhalten). Thesen, zu denen sehr viele oder gar alle Kandidierende die gleiche Ansicht vertreten, werden in möglichst geringer Anzahl vorausgewählt. Zudem wird darauf geachtet, ein möglichst breites kommunalpolitisches Themenspektrum abzudecken. Anhand dieser beiden Kriterien wird eine vorläufige Thesenauswahl erstellt. Auf dieser Grundlage kann nun berechnet werden, wie hoch die prozentuale Übereinstimmung zwischen den einzelnen Kandidierenden (Paarvergleiche) zu den vorausgewählten Thesen ist. Dieser Wert sollte in allen Paarvergleichen möglichst gering sein, damit sich selbst zwei Kandidierende mit einer ähnlichen politischen Ausrichtung noch hinreichend unterscheiden lassen. Allerdings ist die Unterscheidbarkeit zwischen zwei Kandidierenden nicht immer gleich hoch, da sich manche Kandidierende in ihren politischen Positionen stärker voneinander unterscheiden als andere. Diesem Umstand wird bei der Einordnung der prozentualen Unterschiede Rechnung getragen. Schließlich wird unter Bezugnahme auf die Ergebnisse der statistischen Analyse sowie auf inhaltliche Erwägungen (siehe Ziffer 6) die endgültige Thesenauswahl getroffen. Mit dieser im geschilderten Verfahren reduzierten Auswahl wird der Kandidat-O-Mat mit 20 bis 30 Thesen programmiert. Die Kandidatinnen und Kandidaten sind an der Endauswahl der Thesen nicht beteiligt. 

 

6. Anforderungen an den Thesenkatalog

Der Thesenkatalog umfasst kommunalpolitisch relevante und fundiert recherchierte Thesen. Ihre Bandbreite deckt die wichtigsten kommunalpolitischen Handlungsfelder ab. Er wird ergänzt um kontroverse Themen der jeweiligen Stadtgesellschaft. Die Zusammenstellung ist politisch und thematisch ausgewogen. Im Zentrum stehen Sachfragen mit kommunalem Bezug. Die Thesen bieten allen Kandierenden gleichermaßen Anlass zur Positionierung. Die Formulierung der Thesen erfolgt möglichst anschaulich und konkret sowie unter Beachtung geschlechtersensibler Sprache. Vorschläge von Dritten für Themen und/oder Thesen können eingereicht werden. Ein Anspruch auf Berücksichtigung dieser Vorschläge besteht nicht.

 

7. Datenschutz

Die Landeszentrale für politische Bildung sowie ihre Partnerorganisationen oder auch Dritte haben keine Möglichkeit, das Klickverhalten der Nutzerinnen und Nutzer sowie die ausgeworfenen Ergebnisse einzusehen oder in irgendeiner Weise zu verarbeiten oder zu verwerten. Die Nutzerinnen und Nutzer bleiben komplett anonym. Es werden keinerlei Kontaktdaten o. Ä. abgefragt oder gespeichert. Auch werden die Positionierungen der Nutzerinnen und Nutzer nicht ausgewertet.

 

8. Wortmarke â€žKandidat-O-Mat“

Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg arbeitet auf kommunaler Ebene mit digitalen Informationsangeboten. Der „Kandidat-O-Mat“ ist eine eingetragene Marke der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Eine weitere eingetragene Marke der Landeszentrale für politische Bildung ist der „Kommunal-O-Mat“.

 

Stand der Informationen: 8. März 2023